Die Vernetzung von Journalisten und Machteliten

Anscheinend hat die Satire-Sendung Die Anstalt für Unmut bei der Wochenzeitung Die Zeit gesorgt. Was ist passiert? Die Anstalt hat in ihrer Sendung auf die enge Vernetzung von Journalisten der Zeit, FAZ, Welt, Bild und der Süddeutschen Zeitung mit Think Tanks hingewiesen, die wiederum als Beratungsorganisationen für Rüstungsindustrie, Politik und dem westlichen Verteidigungsbündisses NATO im Allgemeinen dienen. Der Herausgeber der Zeit Josef Joffe hat sich nun in einem Brief bei ZDF-Chefredakteur Peter Frey beschwert. Als Bonus gab es außerdem noch Unterlassungserklärungen.

Paul Schreyer hat auf Telepolis einen schönen Artikel zur problematischen Vernetzung von Journalismus und Machteltiten veröffentlicht, der die Sache auf den Punkt bringt. Deshalb: -> Leseempfehlung.

Außerdem gibt es – ebenfalls auf Telepolis – noch ein Interview mit Uwe Krüger, der in seiner Dissertation die Vernetzung von Journalismus und Machteliten untersuchte. Auf die Ergebnisse seiner Arbeit fußte der Beitrag den Die Anstalt sendete. Das Interview mit Uwe Kürger ist eine Replik auf die von Joffe vorgebrachte Kritik. Deshalb: -> Leseempfehlung.

Das alles passt auch schön zur Kritik die Gabriele Krone-Schmalz an der Berichterstattung zum Konflikt in der Ukraine geäußert hat.  Und weil Joffe in seinem Brief schreibt „Ich glaube für alle ‚Ko-Konspiratoren‘ zu sprechen, wenn ich mit dem gebotenen Hohn zurückweise, wir dächten und schrieben alle irgendwie gleich.“ sei hier noch ein schönes Zitat aus einem Science Fiction von Daniel Suarez genannt, dass die Sache mit Wirtschaft, Politik, Rüstung, Journalismus und so ganz schön zusammenfasst:

„Da braucht es keine Verschwörung. Es ist ein Prozess der seit Jahrtausenden läuft. Reichtum akkumuliert sich und wird zu politischer Macht. So einfach ist das. Konzern ist nur das jüngste Wort dafür. Im Mittelalter war es die Kirche. Die hatte auch ein tolles Logo, haben sie vielleicht schon mal gesehen. Und sie hatte mehr Filialen als Starbucks. Und davor was es das Römische Reich. Es ist ein natürlicher Prozess, der so alt ist wie die Menscheit.“ (Aus: Darknet von Daniel Suarez)

Niemand hält Herrn Joffe und seine Kollegen für Verschwörer.

Irgendwas mit Linien

Aus irgendeinem Grunde habe ich eine Kamera in die Hand bekommen. Deshalb gibt es jetzt was mit Linien.

Friedmann Karig – Überwachung macht …

Die Überwachungsskandale, die mit den Snowden-Leaks so richtig ins Rollen kamen, sind ja auch so ein Thema das mich beschäftigt. Besser gesagt, ein Thema bei dem ich mich richtig aufregen kann. Was mir bei der ganzen Sache immer ein wenig stört, ist der Fokus auf NSA und GCHQ. Es ist ja nicht so, als würden in Europa nicht auch die sonstigen Geheimdienste ihre Bürger überwachen und ausspionieren. Inbesondere die lustige Idee Daten und Informationen untereinander zu tauschen, als wären wir alle Bestandteil eines riesigen Panini-Albums macht mich irre. Erstens untergräbt das jegliche noch bestehenden gesetzlichen Schranken zur Überwachung der eigenen Bürger, und zweitens ist es so billig, dass es meinen Intellekt beleidigt.

Auf der Republica hat sich Friedmann Karig damit beschäftigt, wie man den Kreis derer, die sich über diese katastrophale Fehlentwicklung in den westlichen Demokratien genauso empört wie ich erweitern könnte.

Hat er gut gemacht finde ich:

Kiribati und das Eis der Antarktis …

Diesmal war die Nachricht wirklich überall präsent. Der Klimawandel betrifft die Antartiks stärker als bislang angenommen. Eine Studie der NASA kommt zu dem Ergebnis, dass „ein großer Teil der Eiskappe in der Westantarktis ist in einem Stadium des unumkehrbaren Rückzugs“ ist. Der Meeresspiegel wird stärker steigen als bislang angenommen.

Aber dass das Ansteigen der Meeresspiegel nicht das einzige Problem ist, war vorher schon klar. Dass Inselgruppen wie Kiribati verschwinden werden, war vorher schon klar. Dass Peak Oil nicht das Problem ist, sondern dass wir überhaupt kein Öl mehr fördern und verbrennen dürften, war ebenso klar. Die Studie ist einfach nur ein weiteres Stopschild, das wir nun mit Freude und ungebremst überfahren dürfen.

Ich finde wir sollten alle T-Shirts und Aufnäher mit der Flagge und dem Wappen von Kiribati tragen. Die Flagge des kleinen Inselstaates ist nämlich mit Abstand die schönste Flagge aller Staaten und wird bald nirgendwo mehr wehen. Außerdem ist sie ein schönes Symbol dafür, dass uns das Wasser bis zum Hals steht. Tendenz steigend.

Auf dann: Hier eure neuen T-Shirt Motive:

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„Gesundheit, Frieden und Wohlstand“

VICE und der Journalismus

Ich stehe VICE ja eher distanziert gegenüber. Das liegt vielleicht auch daran, dass Berichte die von ihnen veröffentlicht wurden, für mich oft in die Kategorie ‚Beavis & Butthead gehen auf Reisen‘ fielen. Es sei nur an ihren Film über die Sperrzone rund um Tchernobyl erinnert, der darin gipfelte, dass die Reporter mit einer Kalshnikov in der Gegend herumballern. Wenn es denn der Wahrheitsfindung dient, sei ihnen alles erlaubt. Man muss sich als engagierter Journalist einfach nur die Frage stellen: Was hätten Beavis & Butthead getan.

Allerdings muss ich zugeben, dass ihre Beiträge aus Konfliktgebieten wie Syrien und dem Südsudan wirklich interessant sind. Anscheinend hat sich VICE nun auch organisatorisch neu aufgestellt. Mit der Einsicht, dass Nachrichten ein ernsthaftes Thema sind, haben sie für ihre Nachrichtenbeiträge einen eigenen Kanal eröffnet. Eine gute Idee wie ich finde. Vielleicht kann man also auch mal wieder bei VICE vorbeischneien.

Der Frontline-Club hat VICE die Tage einen ganzen Abend gewidmet. Dort versuchen Journalisten und Filmemacher die für VICE arbeiten ihre Idee von Journalismus zu erklären und stellen sich den Fragen des Fachpublikums. Spannende Sache das. Den YouTube-Channel vom Frontline-Club kann ich übrigens nur empfehlen. Wer sich für kontrovers geführte Diskussionen zu Themen der Weltpolitik interssiert, ist hier an der richtigen Adressen. Man sollte sich allerdings ein wenig Zeit nehmen.

Update: Das Podium ist schon sehr gefällig. Naja – trotzdem interessant.

Who rules? It’s the economy stupid!

Martin Gilens (Professor für Politikwissenschaften an der Princeton Universität) und Benjamin I. Page (Professor für Politikwissenschaften an der Stanford Universität) haben sich mal die Frage gestellt, ob demokratische Einflussnahme in den USA so funktioniert wie man sich das erhofft oder ob eventuell Wirtschaftseliten und Lobbygruppierungen Entscheidungsfindungsprozesse maßgeblich dominieren. Ich zitiere mal kurz:

„Multivariate analysis indicates that economic elites and organized groups representing business interests have substantial independent impacts on U.S. government policy, while average citizens and mass-based interest groups have little no independent influence. The results provide substantial support for theories of Economic Elite Domination and for theories of Biased Pluralism, but not for theories of Majoritarian Electoral Democracy or Majoritarian Pluralism.“

Nein? Doch! Ooh!

Die Studie in der sie das untersucht haben heißt „Testing Theories of American Politics: Elites, Interest Groups, and Average Citizens„.  Ich kenne jetzt keine vergleichbare Studie für den europäischen Raum, glaube aber nicht, dass das Ergebnis hier großartig anders wäre.