Into the fog of darkness

Aleppo liegt in Trümmern, und die sind Schuld. Es ist nicht ganz klar, wer die jetzt sind. Aber die, die das sagen, die wissen wer die sind. Immerhin.

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Der Arme Herr Range …

Netzpolitik schrieb letztens, dass Generalbundesanwalt Harald Range keine Ermittlungen wegen der Totalüberwachung von Kommunikation durch Geheimdienste aufnehmen wolle. Das stimmt so auch erst mal, hat er ja selbst so verkündet. Aber vielleicht wollte Herr Range ja ermitteln, durfte aber nicht. Kann ja sein – soll ja vorkommen.

Ein ziemlich eindeutiges Licht darüber wie mit dem Weisungsrecht der deutschen Justizministerien gegenüber ihren Staatsanwälten in Deutschland verfahren wird, wirft auf jeden Fall dieser zehn Jahre alte Spiegel-Artikel: „Empfehlung vom Minister“

Bin ja mal gespannt ob sich jemand den Spaß macht auf die Einleitung eines Ermittlungserzwingungsverfahrens zu klagen.

Fukushima: Ab in den Pazifik

In Fukushima kämpft die Betreibergesellscahft TEPCO weiterhin mit der Katastrophe von 2011. Überraschen wird das sicherlich niemanden. Allerdings scheint man beim Versuch die Lage in den Griff zu bekommen auch drei Jahre nach der Katastrophe immer noch keinen Überblick über das volle Ausmaß der Schäden erlangt zu haben. Eines der großen Probleme mit denen man in Fukushima zu kämpfen hat. 400t Wasser fluten jeden Tag als Grundwasser in die Keller der maroden Reaktorgebäude und vermischen sich mit dem stark verstrahlten Kühlwasser, dass aus den Reaktoren leckt. Hinzu kommt Grundwasser, dass durch stark belastete Bereiche des Werksgelände fließt, dabei ebenfalls kontaminiert wird und von dort in den Pazifik fließt.

TEPCO versucht dem Problem vor allem durch die Lagerung des kontaminierten Wassers in Tanks Herr zu werden. Allerdings sind die Tanks randvoll. Luftaufnahmen des Werksgelände zeigen, dass das ehemalige Kraftwerk inzwischen wie ein riesiges Tanklager aussieht. Zugleich versucht TEPCO das aufgefangene Wasser zu dekontaminieren. Die nach langer Verzögerung endlich in Betrieb genommene Anlage fällt allerdings, immer wieder aus und kann auch nicht alle radioaktiven Isotope aus dem Wasser filtern. Nach langem Widerstand lokaler Fischer, die um ihre Lebensgrundlage fürchten, hat der Energiekonzern nun beschlossen das Problem etwas einfacher zu lösen. Große Mengen an aufgefangenem Wasser sollen einfach in den Pazifik gekippt werden. Messungen von Seiten TEPCOs zeigen zwar, dass das Wasser nur gering belastet ist. Anwohner und Fischer bleiben jedoch skeptisch.

Natürlich versucht man auch den Zufluss an Wasser einzudämmen. Das ist allerdings schwierig. Angedacht wird große Teile des Werksgeländes zu asphaltieren, um so Regenwasser daran zu hindern in den verseuchten Boden zu sickern. Fest geplant ist eine Anlage zur Vereisung des Bodens unterhalb der AKWs, um so radioaktives Wasser daran zu hindern sich mit dem Grundwasser zu mischen. Das ist schon längst passiert. Wann und wo ist TEPCO nicht immer klar. Anscheinend aber haben sich große Mengen an Wasser auch in den Schächten und Kanälen zwischen den Reaktorgebäuden gesammelt und sickern von dort in den Boden. Um die verseuchte Suppe daran zu hindern sich vollständig in den Pazifik zu ergießen, pumpt man Teile des Grundwassers wieder zurück an die Oberfläche und von dort in die Armada an Tanks auf dem Werksgelände. Und es wäre nicht TEPCO, wenn diese Tanks nicht immer wieder lecken und überlaufen würden. Der Konzern ist mit der Bewältigung der Katastrophe weiterhin oft überfordert.

Wasser ist allerdings nur eines der vielen Problem, von denen die Ingenieure stehen. Weiterhin besteht das Problem der Brennstäbe die sich im Abklingbecken des Reaktorgebäudes Vier befinden. Mittlerweile wurde das hochriskante Unterfangen begonnen die Brennstäbe zu entfernden. Aber nur schleichend langsam schreiten die Arbeiten voran. Bislang konnten nur wenige der Brennelemente sicher entfernt werden und zu den wirklich schwierigen Stellen, wo Trümmer das Arbeit verkomplizieren und beschädigte Stäbe vermutet werden, ist man noch gar nicht vorgedrungen. Inzwischen zeichnet sich zu allem Überfluss auch noch ab, dass Reaktorgebäude 3 bei der schweren Explosion im Jahr 2011 viel größeren Schaden genommen hat als bislang angenommen. Auch dort lagern noch große Mengen an Brennelementen. Geschätzte 50t an Schutt und Trümmern sind in das Abklingbecken des Gebäudes gefallen. Zwar habe Arbeiter damit begonnen die größten Trümmerteil zu entfernen, es bleibt aber weiterhin ein Rätsel wie die Stäbe entfernt werden können.

Das Wasserproblem hat sich mittlerweile soweit zugespitzt, dass auch von Seiten Tokios der Druck auf TEPCO erhöht wird. Dort sorgt man sich inzwischen, um den reibungslosen Verlauf der olympischen Spiele in Tokio im Jahr 2020. Keine weiteren Fragen.

 

http://www.japantimes.co.jp/news/2014/03/06/national/solving-fukushima-water-problem-a-long-hard-slog

http://mainichi.jp/english/english/perspectives/news/20140517p2a00m0na006000c.html

http://www.japantimes.co.jp/news/2014/05/21/national/in-new-phase-fukushima-workers-begin-releasing-groundwater/#.U4Twjy9J4cn

http://www.japantimes.co.jp/news/2014/05/17/national/record-high-radiation-in-seawater-off-fukushima-plant/#.U4Twsi9J4cn

http://www.fairewinds.org/fukushima-daiichi-nuclear-accident-ongoing-lessons/

http://www.themalaymailonline.com/world/article/japan-approves-ice-wall-around-leaking-fukushima-nuclear-plant-video

http://ex-skf.blogspot.co.at/2014/05/fukushima-i-npp-groundwater-bypass-560.html

http://www.fairewinds.org/csi-fukushima/

 

BTW: Ich glaube nicht, dass irgendein Energieriese in Westeuropa eine solche Lage besser und schneller in den Griff bekommen würde als TEPCO.

 

 

 

Die Vernetzung von Journalisten und Machteliten

Anscheinend hat die Satire-Sendung Die Anstalt für Unmut bei der Wochenzeitung Die Zeit gesorgt. Was ist passiert? Die Anstalt hat in ihrer Sendung auf die enge Vernetzung von Journalisten der Zeit, FAZ, Welt, Bild und der Süddeutschen Zeitung mit Think Tanks hingewiesen, die wiederum als Beratungsorganisationen für Rüstungsindustrie, Politik und dem westlichen Verteidigungsbündisses NATO im Allgemeinen dienen. Der Herausgeber der Zeit Josef Joffe hat sich nun in einem Brief bei ZDF-Chefredakteur Peter Frey beschwert. Als Bonus gab es außerdem noch Unterlassungserklärungen.

Paul Schreyer hat auf Telepolis einen schönen Artikel zur problematischen Vernetzung von Journalismus und Machteltiten veröffentlicht, der die Sache auf den Punkt bringt. Deshalb: -> Leseempfehlung.

Außerdem gibt es – ebenfalls auf Telepolis – noch ein Interview mit Uwe Krüger, der in seiner Dissertation die Vernetzung von Journalismus und Machteliten untersuchte. Auf die Ergebnisse seiner Arbeit fußte der Beitrag den Die Anstalt sendete. Das Interview mit Uwe Kürger ist eine Replik auf die von Joffe vorgebrachte Kritik. Deshalb: -> Leseempfehlung.

Das alles passt auch schön zur Kritik die Gabriele Krone-Schmalz an der Berichterstattung zum Konflikt in der Ukraine geäußert hat.  Und weil Joffe in seinem Brief schreibt „Ich glaube für alle ‚Ko-Konspiratoren‘ zu sprechen, wenn ich mit dem gebotenen Hohn zurückweise, wir dächten und schrieben alle irgendwie gleich.“ sei hier noch ein schönes Zitat aus einem Science Fiction von Daniel Suarez genannt, dass die Sache mit Wirtschaft, Politik, Rüstung, Journalismus und so ganz schön zusammenfasst:

„Da braucht es keine Verschwörung. Es ist ein Prozess der seit Jahrtausenden läuft. Reichtum akkumuliert sich und wird zu politischer Macht. So einfach ist das. Konzern ist nur das jüngste Wort dafür. Im Mittelalter war es die Kirche. Die hatte auch ein tolles Logo, haben sie vielleicht schon mal gesehen. Und sie hatte mehr Filialen als Starbucks. Und davor was es das Römische Reich. Es ist ein natürlicher Prozess, der so alt ist wie die Menscheit.“ (Aus: Darknet von Daniel Suarez)

Niemand hält Herrn Joffe und seine Kollegen für Verschwörer.

Friedmann Karig – Überwachung macht …

Die Überwachungsskandale, die mit den Snowden-Leaks so richtig ins Rollen kamen, sind ja auch so ein Thema das mich beschäftigt. Besser gesagt, ein Thema bei dem ich mich richtig aufregen kann. Was mir bei der ganzen Sache immer ein wenig stört, ist der Fokus auf NSA und GCHQ. Es ist ja nicht so, als würden in Europa nicht auch die sonstigen Geheimdienste ihre Bürger überwachen und ausspionieren. Inbesondere die lustige Idee Daten und Informationen untereinander zu tauschen, als wären wir alle Bestandteil eines riesigen Panini-Albums macht mich irre. Erstens untergräbt das jegliche noch bestehenden gesetzlichen Schranken zur Überwachung der eigenen Bürger, und zweitens ist es so billig, dass es meinen Intellekt beleidigt.

Auf der Republica hat sich Friedmann Karig damit beschäftigt, wie man den Kreis derer, die sich über diese katastrophale Fehlentwicklung in den westlichen Demokratien genauso empört wie ich erweitern könnte.

Hat er gut gemacht finde ich:

Kiribati und das Eis der Antarktis …

Diesmal war die Nachricht wirklich überall präsent. Der Klimawandel betrifft die Antartiks stärker als bislang angenommen. Eine Studie der NASA kommt zu dem Ergebnis, dass „ein großer Teil der Eiskappe in der Westantarktis ist in einem Stadium des unumkehrbaren Rückzugs“ ist. Der Meeresspiegel wird stärker steigen als bislang angenommen.

Aber dass das Ansteigen der Meeresspiegel nicht das einzige Problem ist, war vorher schon klar. Dass Inselgruppen wie Kiribati verschwinden werden, war vorher schon klar. Dass Peak Oil nicht das Problem ist, sondern dass wir überhaupt kein Öl mehr fördern und verbrennen dürften, war ebenso klar. Die Studie ist einfach nur ein weiteres Stopschild, das wir nun mit Freude und ungebremst überfahren dürfen.

Ich finde wir sollten alle T-Shirts und Aufnäher mit der Flagge und dem Wappen von Kiribati tragen. Die Flagge des kleinen Inselstaates ist nämlich mit Abstand die schönste Flagge aller Staaten und wird bald nirgendwo mehr wehen. Außerdem ist sie ein schönes Symbol dafür, dass uns das Wasser bis zum Hals steht. Tendenz steigend.

Auf dann: Hier eure neuen T-Shirt Motive:

600px-Flag_of_Kiribati.svg 299px-Coat_of_arms_of_Kiribati.svg

 

 

 

 

 

„Gesundheit, Frieden und Wohlstand“

VICE und der Journalismus

Ich stehe VICE ja eher distanziert gegenüber. Das liegt vielleicht auch daran, dass Berichte die von ihnen veröffentlicht wurden, für mich oft in die Kategorie ‚Beavis & Butthead gehen auf Reisen‘ fielen. Es sei nur an ihren Film über die Sperrzone rund um Tchernobyl erinnert, der darin gipfelte, dass die Reporter mit einer Kalshnikov in der Gegend herumballern. Wenn es denn der Wahrheitsfindung dient, sei ihnen alles erlaubt. Man muss sich als engagierter Journalist einfach nur die Frage stellen: Was hätten Beavis & Butthead getan.

Allerdings muss ich zugeben, dass ihre Beiträge aus Konfliktgebieten wie Syrien und dem Südsudan wirklich interessant sind. Anscheinend hat sich VICE nun auch organisatorisch neu aufgestellt. Mit der Einsicht, dass Nachrichten ein ernsthaftes Thema sind, haben sie für ihre Nachrichtenbeiträge einen eigenen Kanal eröffnet. Eine gute Idee wie ich finde. Vielleicht kann man also auch mal wieder bei VICE vorbeischneien.

Der Frontline-Club hat VICE die Tage einen ganzen Abend gewidmet. Dort versuchen Journalisten und Filmemacher die für VICE arbeiten ihre Idee von Journalismus zu erklären und stellen sich den Fragen des Fachpublikums. Spannende Sache das. Den YouTube-Channel vom Frontline-Club kann ich übrigens nur empfehlen. Wer sich für kontrovers geführte Diskussionen zu Themen der Weltpolitik interssiert, ist hier an der richtigen Adressen. Man sollte sich allerdings ein wenig Zeit nehmen.

Update: Das Podium ist schon sehr gefällig. Naja – trotzdem interessant.

Who rules? It’s the economy stupid!

Martin Gilens (Professor für Politikwissenschaften an der Princeton Universität) und Benjamin I. Page (Professor für Politikwissenschaften an der Stanford Universität) haben sich mal die Frage gestellt, ob demokratische Einflussnahme in den USA so funktioniert wie man sich das erhofft oder ob eventuell Wirtschaftseliten und Lobbygruppierungen Entscheidungsfindungsprozesse maßgeblich dominieren. Ich zitiere mal kurz:

„Multivariate analysis indicates that economic elites and organized groups representing business interests have substantial independent impacts on U.S. government policy, while average citizens and mass-based interest groups have little no independent influence. The results provide substantial support for theories of Economic Elite Domination and for theories of Biased Pluralism, but not for theories of Majoritarian Electoral Democracy or Majoritarian Pluralism.“

Nein? Doch! Ooh!

Die Studie in der sie das untersucht haben heißt „Testing Theories of American Politics: Elites, Interest Groups, and Average Citizens„.  Ich kenne jetzt keine vergleichbare Studie für den europäischen Raum, glaube aber nicht, dass das Ergebnis hier großartig anders wäre.

Friedrich Torberg – Mein ist die Rache

Habe ich schon erzählt das ich Hörbücher mag? Ich mag Hörbücher. Darüber gibt es im Grunde wenig zu sagen. Es gibt spannende und interessante Hörbücher, Geschichten die man nur einmal hört oder Bücher, die man schon nach zwei Kapiteln wieder weglegt. Aber Friedrich Torbergs „Mein ist die Rache“ gelesen von Cornelius Obonya ist mal wirklich eine kleine Perle.

Friedrich Torberg war eine schillernde Persönlichkeit. Seine Werke wurden von den Nationalsozialisten verboten. Er selbst konnte den Faschisten entkommen und überlebte Krieg und Verfolgung im amerikanischen Exil. Nach 1945 kehrte er in seine Geburtsstadt Wien zurück, wo er als Journalist arbeitete. Dem breiten Publikum wurde er als gern gesehener Gast in Fernseh-Talkshows des österreichischen ORF bekannt. In Erinnerung bleiben seine scharfen Polemiken und rüden Angriffe gegen bekennende Kommunisten oder Personen denen er unterstellte mit kommunistischen Ideen zu sympathisieren. Unter anderem war Torberg einer der Initiatoren des Brecht-Boykotts in Österreich, der dazu führte das lange Zeit keine Stücke Brechts in Wien aufgeführt wurden.

Seine Novelle „Mein ist die Rache“ geriet dagegen nahezu in Vergessenheit. Sie zeigt die andere Seite Torbergs: Den scharfen Analytiker und brillianten Erzähler. Torberg gelang es in „Mein ist die Rache“auf beeindruckende Weise den Geist des Nationalsozialismus zu entblößen. Zugleich offenbarte er die Ohnmacht und Zerissenheit in der sich die Juden mit der beginnenden Shoa befanden.

Die Geschichte spielt in einem unbedeutendem Konzentrationslager nahe der niederländischen Grenze. Als „gar nicht so schlimm“ gilt das KZ unter den Gefangenen. Mit dem neuen Lagerkommandanten ändert sich die Situation jedoch dramatisch. Die jüdischen Lagerinsassen werden von den übrigen Häftlingen getrennt. Mit dem neuen sadistischen SS-Kommandanten beginnt für die Juden des Lagers ein Matyrium aus Folter und Tod. Doch dem SS-Offizier reicht es nicht, dass „seine“ Juden einfach ermordet werden. Er will, dass sie die Logik, die „Rationalität“ – mehr noch – die Unabwendbarkeit seines Handelns verstehen und Einsicht zeigen. Die Gefangenen suchen nach Wegen, wie sie dem andauernden Terror begegnen können. Während der gläubige Ashkenasi seine Leidensgenossen mahnt Vertrauen in Gott zu legen („Mein ist die Rache, spricht der Herr“) überlegt der Ich-Erzähler aktiv zu werden und Handeln, denn „Ich habe die Wahl.“

„Mein ist die Rache“ ist wohl unzweifelhaft eine von Torbergs Meisterwerken, doch erst die oskarreife Lesung von Cornelius Obonya macht die CD zu einem wirklich herausragenden Hörbuch. Obonya gelingt es in die Charaktere der Erzählung einzutauchen, ihre Eigenarten zum Leben zu erwecken und verleiht der Geschichte eine beklemmende Intensität. Wenn ich einen Preis zu vergeben hätte, Obonya würde ihn bekommen.

Auf YouTube gabs eine Hörprobe für Zweifler 🙂