Aleppo liegt in Trümmern, und die sind Schuld. Es ist nicht ganz klar, wer die jetzt sind. Aber die, die das sagen, die wissen wer die sind. Immerhin.

Auf Spiegel Online gibt es zurzeit ein schönes Video: Eva Barlett vs. Die SpOn Auslandsredaktion. Die Tags mit denen das Video versehen wurde: Syrien | Assad | Fake-News. Aha, na dann. Ich hab es mir mal angeschaut, und ich fand es wirklich großartig. Denn es bringt die ganze Berichterstattungskatastrophe, die wir gerade erleben schön auf den Punkt.  Eva Barlett* ist sich nicht zu Schade Dinge zu sagen die nach der sofortigen Verleihung des vergoldeten Aluhuts verlangen und die SpOn Redaktion erzählt genau so viel von dem was passiert, dass ihre Idee vom Konflikt nicht ins Wanken gerät. Man könnte fast an ihrer Unvoreingenommenheit Zweifeln.

Also los gehts – schauen wir es uns an:

  • Eva Barlett sagt die „Westlichen Medien“ hätten keine unabhängigen Quellen in Ostaleppo gehabt. Christoph Sydow sagt stimmt ein bisschen, aber die Schuld liegt bei der syrischen Regierung.

Die Verantwortung für die fehlenden Berichterstatter*innen trägt laut Christoph Sydow also allein die syrische Administration, die ausländische Journalist*innen nicht nach Ostaleppo einreisen ließ. Wie strikt diese „Einreisebestimmungen“ nach Ostaleppo waren, kann ich nicht beurteilen. Ich gehe davon aus, dass Christoph Sydow recht hat. Grundsätzlich macht es die syrische Regierung Journalist*innen nicht leicht ins Land zu reisen. Diejenigen, die ein Visum erhalten, bekommen einen Aufpasser an ihre Seite gestellt. Martin Smith von PBS/Frontline hat im Oktober 2015 ein Visum erhalten und eine sehenswerte Dokumentation über den Konflikt gedreht. Darin erzählt er wie schwierig es war ein Visum zu erhalten.

Was aber auch gesagt werden muss, und von Christoph Sydow nicht erwähnt wird, ist die Tatsache, dass es für Journalist*innen grundsätzlich extrem gefährlich ist Gebiete zu bereisen, die nicht von der Regierung kontrolliert werden. Schauen wir kurz zurück:

Die vollständige Einkreisung von Aleppo gelang der syrischen Armee und ihren Alliierten erstmals Ende Juli 2016. Bis zum 8. August konnte eine Allianz aus primär jihadistischen Gruppen, den Ring den die syrischen Armee um Ostaleppo gezogen hatte, jedoch durchbrechen. Erst am 04.11.2016 schloss sich schließlich der Belagerungsring endgültig. Davor hatte der Ostteil der Stadt eine direkte Verbindung zu den Gebieten die von unterschiedlichen Milizen und Jihadisten gehalten wurden. Um nach Ostaleppo zu gelangen, hätte also eine alternative Route durch die von Rebellen gehaltenen Gebiete bestanden. Doch diese Route, die mit einem illegalen Grenzübertritt an der türkisch-syrischen Grenze verbunden gewesen wäre, stand westlichen Journalist*innen praktisch nicht offen. Die Gefahr einer Entführung in Rebellengebieten ist für Journalst*innen extrem hoch. In aller Regel geht es bei diesen Entführungen um die Erpressung von Geld. Es scheint ein regelrechter Handel mit wertvollen Geiseln zu bestehen. Daran beteiligt sind viele Gruppen. Eine Entführung durch eine Gruppe die zur Freien Syrischen Armee (FSA) gehört ist nicht selten. Letztendlich geraten viele der Entführten in die Hände von jihadistischen Gruppen wie Dschabhat al-Nusra (Dschahbat Fatah asch-Scham) oder ISIS. Ist man erst einmal von Jihadisten gefangen genommen worden, bleibt nur noch die Hoffnung mit dem Leben davon zukommen. Freigelassene Journalist*innen berichten von Misshandlungen, Folter und ständiger Todesgefahr. Viele Journalist*innen – gerade einheimische – sind verschollen oder wurden brutal ermordet. Schutz vor Entführungen ging in einigen Fällen durch die Protektion von Ahrar ar-Sham aus. Diese ebenfalls radikalislamistische Gruppe spielte bei Verhandlungen um die Freilassung von Geiseln oft die Rolle des Vermittlers. Doch auch hier bleibt der Verdacht dass eigene Interessen verfolgt werden. Lösegeldzahlungen werden selten bestätigt. Die Summen die für die Freilassung von westlichen Journalist*innen vorgeblich gezahlt worden sein sollen, gehen jedoch in die Millionen. Alle drei letztgenannten Gruppen haben enge personelle oder geschichtliche Verbindungen zu al-Quaida.¹

Kurz und gut: Es liegt also nicht allein an der syrischen Regierung, dass keine unabhängigen Quellen in Ostaleppo waren.

Aleppo 2014 // (c) Agathocle De Syracuse

  • Eva Barlett sagt die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte (SOHR) wäre Teil der Opposition und nicht glaubwürdig, außerdem würde sie nur aus einem Typen bestehen, der auch noch in Coventry wohnt. Christoph Sydow sagt, jo stimmt im Prinzip, aber dieser Typ kennt halt viele Leute, die zuverlässige Informationsquellen sind.

Eva Barlett hat natürlich recht: Das SOHR führt die grün-weiß-rote Fahne der syrischen Revolution in ihrem Logo und ist oppositionsnah. Aber tatsächlich erwiesen sich Berichte vom SOHR im Nachhinein oftmals als wahr oder zumindest glaubwürdig. Denn tatsächlich scheint diese eine Person in Conventry ein Netzwerk von verlässlichen Quellen in Syrien zu haben. Ihre Angaben sind natürlich immer mit einer gewissen Vorsicht zu genießen. Dies gilt insbesondere für die Angabe von Opfern und deren Zuordnung. Nicht jeder, der in Rebellengebieten bei Kampfhandlungen stirbt, ist auch ein Zivilist. Nicht alle Zivilisten die bei Angriffen der Armee und ihren Alliierten umkommen, sind vorsätzlich umgebracht worden.² Die USA und die NATO haben für diese Toten erfolgreich den Euphemismus Kollateralschaden in die allgemeine Berichterstattung eingeführt. Ich habe jedoch das Gefühl, dass das SOHR mit dem gewachsenen Einfluss von radikalen Islamisten vorsichtiger und kritischer in der Berichterstattung geworden ist.
Es gibt im übrigen auch Quellen, die verlässlich und neutal sind. Zu denen zählt z.B. The Inside Source. Tatsächlich gibt es einige Personen die über gute Kontakte zu verschiedenen Gruppen in Syrien verfügen und über die Entwicklungen vor Ort berichten. Allerdings gilt auch für diese: Alles ist mit Vorsicht zu genießen, und erst wenn verschiedene Interessensgruppen über ein Ereignis berichten, kann man davon ausgehen, dass tatsächlich irgendetwas passiert ist.
Was mich persönlich stört ist, dass viele Zeitungen und Nachrichtenformate sich scheinbar allein auf das SOHR als Quelle konzentrieren. Was mich zweitens sehr irritiert ist: Warum ist es für Journalisten so schwierig sich ein eigenes Netzwerk an Quellen in Syrien aufzubauen? Das sollte doch eigentlich eine der primären Aufgaben von Journalist*innen sein. Stattdessen sind sie auf die Angaben von einzelnen Autodidakten angewiesen mit deren Weltsicht sie vielleicht sympathisieren, die vor dem Konflikt allerding nichts, aber wirklich gar nichts, mit dem täglichen Nachrichtengeschäft zu tun hatten.

  • Eva Barlett sagt die White Helmets wären von einem britschen Ex-Militär gegründet worden, würden nicht neutral sein, und niemand in Aleppo kennt sie. Christoph Sydow sagt, ja Finanzierung und Gründung stimmt, der Rest ist mehr oder minder Quatsch.

Ok. Das Niveau sinkt. Ich weiß nicht wie Eva Barlett darauf kommt, dass die Weißhelme nicht in Ostaleppo aktiv sind. Es gibt dafür zahlreiche Videobelege auf YouTube, die zeigen, wie sie Verletzte bergen und abtransportieren – auch in Aleppo. Die Behauptung von Eva Barlett ist also – und ich zitiere mal Christoph Sydow – „Quatsch“. Was Eva Barlett wahrscheinlich zum Ausdruck bringen möchte ist, dass sie der Neutralität, die man von einer caritativen Einrichtung (und das wollen die Weißhelme ja sein) erwartet, zutiefst misstraut. Dafür führt sie dann auch einige Beispiel an. Neben der Finanzierung durch westliche Regierungen und regierungsnahe Stellen (die Sydow ja auch bestätigt) wäre da der Vorwurf der Nähe zu radikalen islamistischen Gruppen wie Dschabhat al-Nusra.
Dies macht Barlett anhand eines Beispiel deutlich: Ein Foto von zwei Männern in der Uniform der Weißhelme, die auf den Leichen von Uniformierten stehen. Die Toten liegen übereinandergestapelt auf der Ladefläche eines Pickups. Die vermeintlichen Helfer posieren für die Kamera und einer der beiden zeigt mit einer Hand das V-Zeichen, für Victory. Es ist ein hässliches Bild, dass das Image von den selbstlosen Rettern in Frage stellt.
Sydow sagt dazu, es handele sich um einen einmaligen Vorfall, die Weißhelme hätten diesen Vorfall verurteilt und die „Gegner“ der Weißhelme würden diesen Vorfall ausschlachten. Leider ist es aber nicht das einzige merkwürdige Bild das von den Weißhelmen kursiert. Es gibt tatsächlich Bilder mit Weißhelmen die die schwarze Flagge von Dschabhat al-Nusrat schwenken, Bilder von Weißhelmen die auf Fotos mit bewaffneten Jihadisten posieren, Bilder von Männern, die mal als Kämpfer in Tarnanzug und mit Waffe zu sehen sind und dann wieder in der Uniform der Weißhelme. Es bleibt unklar, ob es ehemalige Kämpfer sind, die nun lieber Menschen retten wollen, als auf Menschen zu schießen oder ob man im Bedarfsfall einfach die Rollen wechselt. Und dann gibt es noch das Video von Weißhelmen, die einer Exekution durch maskierte Jihadisten beiwohnen, und im Anschluss die Leiche des Exekutierten wegschaffen.3
Ich kenne solche Fotos von keiner anderen Hilfsorganisation in Syrien. Auch das Rote Kreuz/Halbmond ist in Syrien aktiv und auch deren Mitarbeiter*innen erleben das Grauen des Bürgerkriegs und dennoch sind mir keine Fotos bekannt in denen Mitarbeiter*innen des Roten Halbmondes mit Leichen posieren, syrische Flaggen schwenken oder (eigentlich unvorstellbar) Kriegsverbrechen beiwohnen. Das Sydow behauptet, es handele sich beim Foto das Barlett erwähnt um eine einmalige Entgleisung von Mitgliedern der Weißhelme ist mir völlig unverständlich.

Aber es ist wieder an der Zeit, für Frau Barlett. Frau Barlett behauptet die Weißhelme würden Bilder von Opfern zeigen, die keine wirklichen Opfer sind. Sie unterstellt den Weißhelmen Fotos zu inszenieren, um sie für Propagandazwecke zu nutzen. Barlett führt als Beleg hierfür das Video eines kleinen Mädchens an, dass nach einem Bombenangriff blutend und traumatisiert in einem Krankenhaus gefilmt wurde. Dieses Mädchen, so Barlett, ist auch auf zwei weiteren Fotos die von den Weißhelmen veröffentlicht wurden zu sehen. Diese Fotos wurden allerdings, so Barlett, zu unterschiedlichen Zeiten und an verschiedenen Orten aufgenommen. Für Barlett dient das als Beleg dafür, dass das Mädchen als „Darstellerin“ der Weißhelme dient und die vermeintlichen Angriffe, die das oder die Mädchen verletzt haben sollen nicht stattgefunden haben.
Tatsächlich kursierten solche Bilder einmal auf Twitter. Die Bilder zeigten Kinder, die sehr ähnlich gekleidet waren. Die Bilder selbst waren unscharf. Auch auf Reddit wurden diese Fotos diskutiert. Ich gehe davon aus, dass sie drei verschiedene Mädchen zeigen. Der Vorwurf von Barlett also unberechtigt ist und Christoph Sydows Vorwurf, Barlett würde einen Internethoax weiterverbreiten nicht unbegründet ist. Schade ist natürlich, dass das SpOn-Video parallel zu diesem Vorwurf Bilder von einem verletzten Kleinkind zeigt, die mit den Bildern über die Barlett sprach nun wirklich gar nichts zu tun haben.
Grundsätzlich sind aber gerade Fälle, deren Beurteilung und Deutung nicht ohne weitere Recherche möglich ist, dazu geeignet zu polarisieren. Gerade weil eine einfache Beurteilung nicht möglich ist, wird das Publikum (also wir alle) von den Akteuren der verschiedenen Interessensgruppen dazu gedrängt Farbe zu bekennen. Denn, wer auf der richtigen Seite steht, der wird auch die Wahrheit sehen.
Was mich allerdings wundert ist, dass Frau Barlett ausgerechnet die oben genannten Bilder für ihren Vorwurf anführt. Da gibt es doch etwas viel Besseres! Die Weißhelme haben nämlich auch beim neusten Internetmegahype mitspielen wollen: Der Mannequin Challange! Die Regeln sind einfach: Eine Gruppe von Leuten muss für wenige Minuten regungslos bleiben, als würde sie aus Schaufensterpuppen bestehen, während eine Person mit einer Kamera durch die Gruppe läuft. Das sieht dann aus, als würde man durch ein Foto laufen und man bekommt am Ende (hoffentlich) einen lustigen Kurzfilm. (Hier mal ein paar Beispiele) Die Weißhelme sind auf den Zug aufgesprungen, haben eines ihrer Mitglieder halb unter Schutt vergraben und eine Rettung inszeniert. Das ist natürlich eine Spitzenidee. Gerade wenn das Image angekratzt ist, und Kritiker einen als Propagandaorganisation verunglimpfen wollen, der man sogar zutraut Bilder von Kriegsopfern zu fälschen, ist die Veröffentlichung eines solchen Videos das Mittel der Wahl. Einmal mit Profis arbeiten …

  • Eva Barlett sagt manche westlichen Medien würden die Agenda des „Regimewechsels“ verfolgen und zu unrecht behaupten, dass der Krieg in Syrien ein Bürgerkrieg sei, dass bis 2012 in Syrien friedlich demonstriert wurde, dass die syrische Regierung in Aleppo Zivilisten angreift und Zivilisten die aus Ostaleppo geflohen sind behaupten das Gegenteil.
  •  Christoph Sydow sagt, die Idee, dass die ganze westliche Welt einen Regimewechsel in Damaskus will, sei eine Verschwörungstheorie, der Krieg in Syrien ist auf jeden Fall ein Bürgerkrieg, die syrische Armee trifft mir ihren Raketen nicht nur Terroristen, Flüchtlinge werden vor Regimekameras gezerrt und müssen antworten wie sie antworten, weil Syrien eine Diktatur ist.

Au weia, au weia. Es geht über zum Niveaulimbo.

Fangen wir mal bei Frau Barlett an. Medien zu unterstellen sie würden einen Regimechange herbeiführen wollen, finde ich immer schwierig. Das aber bestimmte Medien recht nah zur jeweiligen Regierungslinie berichten, ist aber wohl nicht ganz abzustreiten. Tja.
Der syrische Krieg ist natürlich ein Bürgerkrieg. In den meisten Bürgerkriegen versuchen auch ausländische Mächte ihre Interessen durchzusetzen (siehe DR Kongo, Irak, Mali, Mozambique, Namibia, Angola, Afghanistan, Vietnam, Dreißigjähriger Krieg …).

Natürlich greift die syrische Armee Zivilisten an. Auch wenn man der syrischen Armee und ihren Alliierten unterstellt, sie wollten Terroristen treffen, sterben doch Zivilisten. Aber da könnte man ja noch Inkompetenz unterstellen. Die systematische Zerstörung der medizinischen Infrastruktur in den Gebieten die nicht unter der Kontrolle der Regierung stehen, kann man aber nicht mehr durch Inkompetenz erklären. Da liegt in meinen Augen der gezielte Versuch vor, die dort lebende Bevölkerung aufgrund der mangelnden medizinischen Versorgung zur Flucht zu bewegen, um so besser gegen die bewaffneten Kräfte vorgehen zu können. Das ist ein Kriegsverbrechen.

Letzter Punkt: Ich kenne keine Interviews mit Leuten die aus Ostaleppo geflüchtet sind und behaupten Ostaleppo sei nicht von der syrischen Regierung bombardiert worden.

Schauen wir zu Herrn Sudow:
Natürlich hat Chrystoph Sudow recht, nicht die ganze westliche Welt hat sich gegen Syrien gestellt. Offen bekannt für die Idee haben sich nur Großbritannien, Frankreich, die USA, Saudi ArabienKatar, und die Türkei. Durch den unerwünschten Einflug mit Militärmaschinen in den syrischen Luftraum verstoßen auch Deutschland und Dänemark (bis zum Abzug ihrer Maschinen) gegen die Souveränität des syrischen Staates. Sonst ist aber alles primi.
Jetzt kann man natürlich sagen: Jaa aber der Assad ist ein fieser Diktator, der muss weg. Das kann man machen, dafür muss man sich eine Resolution bei der UNO holen, wie damals nach der irakischen Besetzung von Kuweit. Wenn man die nicht bekommt, verstoßen Angriffe und auch die Unterstützung von bewaffneten Gruppen die gegen die souveräne Regierung kämpfen, gegen das Völkerrecht.
Die Anwesenheit von russischen Truppen, iranischen Revolutionsgarden und Hisbollah auf syrischen Territorium verstößt übrigens nicht gegen das Völkerrecht, weil sie von der syrischen Regierung eingeladen wurden. Tja, wenns einem nicht gefällt muss man das Völkerrecht ändern, aber dass das eine ganz schlechte Idee ist, sehen hoffentlich alle ein.

Und dann sagt Sydow noch: Der Krieg in Syrien ist ein Bürgerkrieg und die syrische Armee trifft mir ihren Raketen nicht nur Terroristen. Und da hat er recht.

Und er sagt auch: Flüchtlinge werden vor Regimekameras gezerrt und müssen antworten wie sie antworten, weil Syrien eine Diktatur ist.
Ja hmm. Was soll man dazu sagen? Ich habe noch keine Videos nach der Rückeroberung von Ostaleppo gesehen, in denen Flüchtlinge vor Regimekameras „gezerrt“ wurden. Ich habe aber Videos gesehen, wo Flüchtlinge bereitwillig vor Kameras sagen, dass sie von den Terroristen bedroht wurden, das es zu Folter gekommen ist, dass auf sie geschossen wurde, als sie versuchten in von der Regierung kontrollierte Gebiete zu flüchten und dass ihnen Nahrungsmittel vorenthalten wurden. Die Bilder machten nicht den Eindruck, als wären die Menschen eingeschüchtert worden, viele wirkten erleichtert den „Rebellen“ vorerst entkommen zu sein. Nur weil Assad ein Diktator ist und der syrische Geheimdienst grauenhafte Folter anwendet, werden Jihadisten halt nicht zu Hütern der Menschenwürde.

  • Eva Barlett sagt die Menschen unterstützen Assad, das könnte man an den letzten Wahlen sehen. Sydow sagt ist Quatsch, die Wahlen waren nicht frei.

Liebe Frau Barlett, in einem Land im völligen Chaos, in dem ein brutaler Bürgerkrieg herrscht, das seit Jahrzehnten von einer Partei, nämlich der Baath-Partei regiert wird, kann man doch der Weltöffentlichkeit nicht ernsthaft mit freien Wahlen und Wahlbeteiligung kommen. Echt jetzt?
Gab es da eigentlich Wahlbeobachter? Hätte Christoph Sydow ja mal verraten können.

Egal. Beide sechs, setzten!

Ach ja, und weil es so schön ist. Hier nochmal die Grundregeln der Propaganda

  • Wir wollen den Krieg nicht.
  • Das gegnerische Lager trägt die Verantwortung.
  • Der Führer des Gegners ist ein Teufel.
  • Wir kämpfen für eine gute Sache.
  • Der Gegner kämpft mit unerlaubten Waffen.
  • Der Gegner begeht mit Absicht Grausamkeiten, wir nur versehentlich.
  • Unsere Verluste sind gering, die des Gegners enorm.
  • Künstler und Intellektuelle unterstützen unsere Sache.
  • Unsere Mission ist heilig.
  • Wer unsere Berichterstattung in Zweifel zieht, ist ein Verräter.

Und bitte schaut nicht danach ob diese Regeln von den Leuten eingehalten werden, deren Meinung ihr sowieso nicht teilt. Schaut ob diese Regeln auch auf das Lager zutreffen, dem ihr euch zugehörig fühlt. Das ist spannender.

 

–> UPDATE <–

Hier noch ein tolles Radiofeature vom DLF, dass ich erst jetzt entdeckt habe:
„Was will dieses Grau’n bedeuten?“ Ein Radiofeature des Deutschlandfunks über den Journalisten Theo Padnos der in Idlib entführt wurde und 22 Monate in Geiselhaft von Dschabhat al-Nusra überlebte.

 


¹ Nur ein paar Beispiele:

http://www.rog.at/wp-content/uploads/2015/05/160104_RSF_Report_Jihad_against_Journalists.pdf
The Disappeared
https://en.wikipedia.org/wiki/NBC_News_team_kidnapping_in_Syria
http://www.telegraph.co.uk/news/2016/05/17/spain-paid-7m-for-release-of-journalists-taken-hostage-in-syria/
https://www.nytimes.com/2014/08/25/world/middleeast/peter-theo-curtis-held-by-qaeda-affiliate-in-syria-is-freed-after-2-years.html

² https://de.wikipedia.org/wiki/Syrische_Beobachtungsstelle_f%C3%BCr_Menschenrechte#Kritik

3 Achtung!! Der Link geht zu einem Video auf LiveLeak, das eine Exekution zeigt. Es ist widerlich. Es dient hier nur als Beleg für meine Vorwürfe. Schaut euch das nicht an.

Videolink

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