Habe ich schon erzählt das ich Hörbücher mag? Ich mag Hörbücher. Darüber gibt es im Grunde wenig zu sagen. Es gibt spannende und interessante Hörbücher, Geschichten die man nur einmal hört oder Bücher, die man schon nach zwei Kapiteln wieder weglegt. Aber Friedrich Torbergs „Mein ist die Rache“ gelesen von Cornelius Obonya ist mal wirklich eine kleine Perle.

Friedrich Torberg war eine schillernde Persönlichkeit. Seine Werke wurden von den Nationalsozialisten verboten. Er selbst konnte den Faschisten entkommen und überlebte Krieg und Verfolgung im amerikanischen Exil. Nach 1945 kehrte er in seine Geburtsstadt Wien zurück, wo er als Journalist arbeitete. Dem breiten Publikum wurde er als gern gesehener Gast in Fernseh-Talkshows des österreichischen ORF bekannt. In Erinnerung bleiben seine scharfen Polemiken und rüden Angriffe gegen bekennende Kommunisten oder Personen denen er unterstellte mit kommunistischen Ideen zu sympathisieren. Unter anderem war Torberg einer der Initiatoren des Brecht-Boykotts in Österreich, der dazu führte das lange Zeit keine Stücke Brechts in Wien aufgeführt wurden.

Seine Novelle „Mein ist die Rache“ geriet dagegen nahezu in Vergessenheit. Sie zeigt die andere Seite Torbergs: Den scharfen Analytiker und brillianten Erzähler. Torberg gelang es in „Mein ist die Rache“auf beeindruckende Weise den Geist des Nationalsozialismus zu entblößen. Zugleich offenbarte er die Ohnmacht und Zerissenheit in der sich die Juden mit der beginnenden Shoa befanden.

Die Geschichte spielt in einem unbedeutendem Konzentrationslager nahe der niederländischen Grenze. Als „gar nicht so schlimm“ gilt das KZ unter den Gefangenen. Mit dem neuen Lagerkommandanten ändert sich die Situation jedoch dramatisch. Die jüdischen Lagerinsassen werden von den übrigen Häftlingen getrennt. Mit dem neuen sadistischen SS-Kommandanten beginnt für die Juden des Lagers ein Matyrium aus Folter und Tod. Doch dem SS-Offizier reicht es nicht, dass „seine“ Juden einfach ermordet werden. Er will, dass sie die Logik, die „Rationalität“ – mehr noch – die Unabwendbarkeit seines Handelns verstehen und Einsicht zeigen. Die Gefangenen suchen nach Wegen, wie sie dem andauernden Terror begegnen können. Während der gläubige Ashkenasi seine Leidensgenossen mahnt Vertrauen in Gott zu legen („Mein ist die Rache, spricht der Herr“) überlegt der Ich-Erzähler aktiv zu werden und Handeln, denn „Ich habe die Wahl.“

„Mein ist die Rache“ ist wohl unzweifelhaft eine von Torbergs Meisterwerken, doch erst die oskarreife Lesung von Cornelius Obonya macht die CD zu einem wirklich herausragenden Hörbuch. Obonya gelingt es in die Charaktere der Erzählung einzutauchen, ihre Eigenarten zum Leben zu erwecken und verleiht der Geschichte eine beklemmende Intensität. Wenn ich einen Preis zu vergeben hätte, Obonya würde ihn bekommen.

Auf YouTube gabs eine Hörprobe für Zweifler 🙂

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