Die Deutschen haben vor einigen Jahren* Ihre Armee (Bundeswehr) von Wehrpflicht auf reine Besoldungsanstellung umgestellt – Berufsheer klingt natürlich besser.  Seit 2002 ist die Bundeswehr nun im Einsatz in Afghanistan. Nicht die Russen haben den Bündnisfall der NATO ausgelöst, sondern ausgerechnet die Afghanen, die gerüstet mit US-Amerikanischer Militärtechnologie und Aufklärungstechnik die Sowjetunion in die Knie gezwungen haben.

Von David Schraven und Vincent Burmeister ist bei Carlson nun eine ‚grafische Reportage‘ über eben diesen Krieg zwischen aufständischen Afghanen (aka Taliban & Co.) und Bundeswehr erschienen. Der Krieg ist aber nur ein Nebenschauplatz in diesem Buch.

Westliche Demokratien können es sich nicht ohne weiteres erlauben Krieg zu führen. Wer stimmt schon ohne weiteres für Tod, Zerstörung und Leid? Wenn dann auch noch eigene SoldatInnen Tod oder schwer verwundet heimkehren ist die Akzeptanz für den ‚Einsatz‘ schnell vorbei. ‚Kriegszeiten‘ berichtet über einen Konfikt, der von deutschen SoldatInnen ausgetragen wird, in der deutschen Öffentlichkeit aber bislang weder wirkliche Beachtung findet, noch gerne als Krieg bezeichnet wird. Worte wie ‚Mission‘, ‚Einsatz‘ oder ‚Kontigent‘ klingen einfach besser als Krieg, Schlacht und Gefallene.

Es ist schon erstaunlich, dass in einem Land, in dem gegen die Wiederbewaffnung hunderttausende auf die Straßen gingen, die Presse so wenig über die erste mehrtägige Offensive, die von der Armee des Landes seit dem Zweiten Weltkrieg ausgefochten wurde, berichtete. Ausgerechnet ‚Operation Blitz‚ hat die deutsche Generalität die Schlacht intern benannt.

Doch in Deutschland wird nicht über den Sinn oder Unsinn dieses Krieges diskutiert. Diskutiert wird stattdessen ob es sich überhaupt um einen Kriegseinsatz handelt. Und vielleicht – und nur vielleicht – liegt eine Ursache für das erstaunliche Desinteresse auch darin begründet, dass die Bundeswehr eben nicht Wehrpflichtige in dem Kampf schickt sondern ‚Freiwillige‘. Der Tod von Professionellen lässt sich in einer Demokratie einfacher verkraften, als der Tod von Wehrpflichtigen – Berufsrisiko.

Wer also das Privileg besitzt demnächst in Österreich über die Frage ‚Wehrpflicht oder Berufsarmee?‘ abzustimmen zu dürfen, sollte über diesen Zusammenhang einmal nachdenken. Berufsarmeen sind besser für den modernen Kriegseinsatz geeignet als die alte Verteidigungsarmee.


*UPDATE
Vor einigen Jahren war wohl etwas übertrieben. Am 15.12.2010 wurde beschlossen die Wehrpflicht auszusetzen, im Juli 2011 trat das entsprechende Gesetz in Kraft. Seitdem ist die Wehrpflicht in Friedenszeiten ausgesetzt. Der Afghanistaneinsatz läuft allerdings schon seit Januar 2002. ‚Fast genauso lange ist die Bundeswehr nun im Einsatz in Afghanistan‘ wie ich schrieb, ist also Unsinn. Allerdings waren und sind unter den in Afghanistan eingesetzten Soldaten keinen Wehrpflichtigen.

Da Deutschland sich im Frieden** befindet gibt mit der Novellierung des Wehrdienstgesetzes daher defacto keine Wehrpflicht mehr. Der ersatzweise geschaffene freiwillige Wehrdienst wird von 11.150 Soldaten abgeleistet.  Als Zeitverpflichtete oder als BerufsoldatInnen stehen laut Wikipedia derzeit 180.668 Personen im Dienst der Bundeswehr – sie machen also nahezu 95% der Personalstärke aus. Wehrpflichtige dienten bei der Bundeswehr übrigens auch in Auslandseinsätzen, allerdings bestand dazu keine Verpflichtung auf Seiten der Soldaten – war also freiwillig. Die Bundeswehr kann man somit getrost als Berufsarmee bezeichnen.

**Der Afghanistaneinsatz ist zwar auch durch den NATO-Bündnisfall legitimiert, ist aber kein Krieg. *hust*

 

 

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