Leider habe ich zurzeit kaum Zeit für diesen kleinen hübschen Blog, doch diese Geschichte muss erzählt werden. Ihr solltet aber vorsichtshalber schon einmal eine große Portion Popcorn bereithalten.

Lord James of Blackheath ist Abgeordneter des House of Lords des britischen Parlaments, ein anerkannter Geschäftsmann und konservativer Life Peer. Er hat einen Sitz im Aufsichtsrats von Cerberus Capital Management, einem New Yorker Unternehmen, das sich laut Eigenangaben mit Strategic Spin-Off-, Operational Turnaround-  und Public-To-Privates-Transaktionsproblemen befasst. Seit 2006 sitzt er im House of Lords und kennt sich nach Angaben des britischen Guardiens bestens in den Bereichen Geldwäsche und Terrorfinanzierung aus.

Dieser Lord David James of Blackheath steht eines Nachmittags vor den mäßig gefüllten Bankreihen des Unterhauses und hält eine bemerkenswerte Rede. In der Tat ist sie so bemerkenswert, dass man glauben könnte man hört die Zusammenfassung eines noch unveröffentlichen John Le Carré Romans oder aber die Fantasie des Lord of Blackheath würde ihm soeben einen bösen Streich spielen.

Seine Geschichte beginnt wie folgt: Im April und Mai 2009 ging bei der britischen HSBC-Bank – so die Vermutung – die nicht unbeträchtliche Summe von 5.000.000.000.000 Dollar ein.  Drei Wochen später erfolgte eine weitere Tranche von 5.000.000.000.000 und sieben Tage darauf noch einmal 5.000.000.000.000. Insgesamt erhielt die HSBC 15.000.000.000.000 Dollar, die an die Royal Bank of Scotland weitergeleitet wurden. Die Quelle dieser astronomischen Summe ist – laut Lord James – das Privatvermögen von Yohannes Riyadi. Riyadi, so Lord James, ist – oder besser war – nicht nur der reichste Mann der Welt, sondern kann als Abkömmling einer indochinesischen Kaiserdynastie auch auf eine interessante Familiengeschichte zurückblicken. Sein Vermögen von geschätzten 36.000.000.000.000 Dollar nutze die amerikanische Zentralbank in der Vergangenheit auch um den Dollarkurs zu stützen.

Im Februar 2006 kam es zu einem Treffen zwischen der amerikanischen Regierung und Mr. Ryadi in der New Yorker Federal Reservebank – der größten Zweigstelle der amerikanischen Zentralbank (Federal Reserve). An diesem Treffen nahmen unter anderen Alan Greenspan (Direktor der Federal Reserve) und Timothy Geithner (International Währungsfonds IWF) teil. Die Teilnahme beider sei durch ihre Unterschrift auf einem bei diesem Treffen ausgehandelten Vertrag verifiziert. Verhandelt wurde die Übernahme von wertlosen Anleihen im Besitz von Mr. Ryadi durch die Federal Reserve gegen die Zahlung von 500.000.000 Dollar. Eine Entschädigung für das durch die Federal Reserve einbehaltene Vermögen von Mr. Ryadi und in Anbetracht von 15.000.000.000.000 die Ryadi angeblich investierte: Peanuts. Ryadi selbst soll sich gegenüber Lord James of Blackheath geäußert haben, dass er zu diesem Deal gezwungen wurde. Womit man den vormals reichsten Mann der Welt zu so einem Deal zwingen kann wird von Lord James jedoch nicht erwähnt.

Nun weiß auch Lord James, dass dies alles sehr unglaubwürdig klingt. Jedoch wird nach seinen Angaben der Eingang von insgesamt 15.000.000.000.000 Dollar sowohl von Führungskräften der HSBC als auch der Royal Bank of Scotland bestätigt. Den Weg nach London soll das Geld dann über JP MorganChase genommen haben, die es von der NY Federal Reserve bekamen und weiterleiteten.
Seltsam ist überdies, dass Ryadi neben den wertlosen Anleihen auch 750.ooot an Gold der Federal Reserve überlassen haben soll. Allerdings sind bislang nur 1.507t an Gold überhaupt weltweit gefördert worden. Lord James läge zudem ein Brief der Indonesischen Zentralbank vor, der besagt, dass Ryadi nicht 750.000t Gold, wie behauptet, sondern nur 700t besäße.

So weit, so verworren. Lord James hätte vielleicht von den ganzen Vorgängen nicht im Unterhaus berichtet, wenn er nicht auf den Audit-Bericht der Federal Reserve aus dem Juli 2010 gestoßen wäre. Dort werden 16 Billionen-Dollar an ausstehenden Krediten genannt. Als Schuldner werden 20 Banken genannt die alle MTN-registrierte Banken sind. Laut Lord James bedeutet dies, dass sie sich untereinander Kreditbriefe mit einem gemeinsam vereinbarten Profitrahmen zuschieben dürfen. Auf dem europäischen MTN-Markt können so pro Tag 2.5% Profit gemacht werden – was bei einer Ausgangssummer von 16.000.000.000.000 erstaunlich viel Geld hervorbringen würde . Doch das erstaunlichste: Die Federal Reserve sieht für den astronomisch hohen Kredit keine Verzinsung vor! Mit 541.000.000.000 steht übrigens auch die Bank of Scotland auf der Liste, die beim britischen Steuerzahler noch mit 46. Mrd verschuldet ist.

Lord James of Blackheath sieht nur drei logische Möglichkeiten die sich aus seiner Rede ergeben:

a) Eine Regierung betreibt Geldwäsche in enormen Ausmaß

b) Eine amerikanische Ministeriumsbehörde ist außer Kontrolle geraten und versucht einfallsreich neue Geldquellen zu erschließen.

c) Es handelt sich um einen geschickt eingefädelten Betrug, der nicht ausgeführt wurde, mit dem jedoch eine oder mehrere Regierungen erpresst werden.

Wenn das Ganze nicht vor dem House of Lords vorgetragen worden wäre, könnte man glauben eine nigerianische Spam-Mail zu lesen. Was Paul Murphy von der Financial Times ebenso sieht und den Rücktritt von Lord James of Blackheath empfiehlt.

Die Federal Reserve schreibt über Yohannes Riyadi übrigens auch schon etwas.

Die Welt kann sich nicht entscheiden ob man der Geschichte glauben schenken sollte.

Der Guardian berichtet über den Foundation-X Knaller von Lord James.

…und hier die Mitschrift der Foundation-X-Rede.

15.000.000.000.000 in einem anderen Zusammenhang.

15.000.000.000.000 in noch einem anderen Zusammenhang.

…ich würde jetzt gerne noch etwas Passendes mit 23 schreiben – aber ich komme gerade auf nichts.

Update: Zunächst habe ich geschrieben Baron James of Blackheath wäre Mitglied der Tories. Das ist falsch. Er wurde jedoch von den Konservativen ins britische Unterhaus berufen.

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