Damals als es Studierenden noch frei stand, wie sie ihr Studium gestalten, sagte ein Professor in einer Vorlesung einmal Folgendes: „Wenn sie immer nur das studieren, was sie interessiert oder von dem sie gehört haben, laufen sie Gefahr sich selbst verdummen. Denn wie können sie wissen ob sie etwas interessiert oder ob etwas wichtig ist, wenn sie noch nie davor von dem Thema gehört haben?“[1] Tatsächlich ist es wichtig mit Informationen versorgt zu werden, die außerhalb des eigenen Wahrnehmungshorizonts liegen. Wir schneiden uns selbst von der Welt ab, wenn wir dafür sorgen, nur Neues über Themen und Dinge zu erfahren, von denen wir schon wissen. Genau dafür sorgen aber mathematische Algorithmen die bei den allermeisten Interdiensten Anwendung finden.

Vor einiger Zeit habe ich eine Mail an einen der Programmierer von last.fm geschrieben. Last.fm ist ein Dienst, der auf Basis individueller Musikvorlieben seinen Nutzerinnen und Nutzern Vorschläge zu Liedern unterbreitet, die sie noch nicht kennen. Wenn ich also tagein tagaus Nirvana höre, wird mir last.fm empfehlen auch mal Pearl Jam zu testen. Am Ende werde ich wohl glauben alle Musik auf der Welt wäre Mitte der 90er in Seattle veröffentlicht worden und hätte immer so einen melancholischen Unterton. Also schrieb ich last.fm und stellte die Frage, ob es es nicht fantastisch wäre, wenn man mir auch Musikvorschläge unterbreiten könnte, die nun rein gar nichts mit meinen persönlichen Vorlieben zu tun hätten. Denn nach der Logik von last.fm wären mir Bands wie Daft Punk oder Radiohead völlig unbekannt geblieben – ganz zu Schweigen von Ostzonensuppenwürfelmachenkrebs, Frittenbude und der großartigen Galina Ustvolskaya. Etwas überrascht war ich, dass ein Mitarbeiter von last.fm mir tatsächlich eine Antwort schrieb, die in etwa lautete: „Ja, die Idee ist gut, aber die Welt ist noch nicht so weit“.

Das ist vor allem deshalb erstaunlich, weil die Welt schon mal so weit war. Eli Pariser nennt dieses Problem ‚The Filter Bubble‘. In einem sehenswerten Vortrag bei TED zeigt er die dramatischen Folgen des Personalisierungsdogmas auf:

[1] Eine kleine Anmerkung zu diesem Zitat: Tatsächlich war es mir gerade wegen eines Studiums, in dem es mir frei stand wie ich es genau gestalte, möglich, an Informationen zu gelangen, von denen ich bislang nichts wusste.

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