Nichts Neues in Fukushima – die Reaktoren lecken weiter, und werden das vermutlich auch noch für längere Zeit tun. Die Informationspolitik von Tepco und der japanischen Regierung gerät allerdings wieder vermehrt in die Kritik. Denn bezweifelt wird zuweilen die Angabe der Betreiber, dass ihre Untersuchungen erst jetzt zeigten, dass die Katastrophe nicht durch die Kombination von Tsunami und Erbeben ausgelöst wurde. Veröffentlichte Akten und Protokolle aus der Katastrophennacht beweisen, dass schon das Erbeben allein für die Kernschmelze in Reaktor 1 des AKWs genügte.

Unklar bleibt weiterhin ob die Schmelzmasse, in die sich die Brennstäbe des Reaktor 1 mittlerweile verwandelt haben, schon aus dem Druckbehälter ausgetreten ist. Auch der Verbleib des stark verstrahlten Kühlwassers bleibt unbekannt. Tatsache ist, dass  inzwischen mehr Wasser aus den Reaktoren austrat, als sich in den Reaktorgebäuden finden lässt. Verstrahltes Wasser ist laut Fairewinds schon an den abgesicherten Reaktoren fünf und sechs gemessen worden. Es spricht somit einiges dafür, dass nicht nur die angrenzenden Küstengewässer kontaminiert werden, sonden auch das Grundwasser rund um Fukushima.

Angaben fehlen auch weiterhin über die genaue Lage in den Reaktoren 2 und 3. Tepco vermutet auch hier undichte Reaktorbehälter und eine fortgeschrittene Kernschmelze. Damit folgen sie den Vermutungen, die schon länger kursieren. Reaktorgebäude 4 ist weiterhin einsturzgefährdet und soll nun behelfsweise abgestützt werden.

In weiteren Ortschaften wurde diese Woche die Evakuierung der Bevölkerung angeordnet. Telepolis berichtet, dass im weiteren Umfeld des AKWs Bodenproben alamierende Strahlungswerte aufwiesen. In einigen Ortschaften ergaben Messungen bis zu 14.700.000 Bequerel pro Quadratmeter. Laut Angaben der japanischen Tageszeitung The Mainichi Daily News lag der Grenzwert für Evakuierungen in Tschernobyl bei 550.000 Bq/qm. Die japanische Regierung ordnet Evakuierungen jedoch erst an, wenn die lokale jährliche Strahlungsdosis 20 Millisievert übersteigt. Gemessen wird die atmosphärische Strahlung. Da Alpha- und Betastrahlung nur wenige Zentimeter weit reicht, wird diese durch die genutzte Messmethode kaum erfasst. 1,5 Meter über einem verseuchten Boden, wird ein Messgerät nur noch entstehende Gammastrahlung anzeigen. Gefährlich für Menschen ist jedoch insbesondere die Kontamination mit radioaktiven Quellen durch Inhalation oder Nahrungsaufnahme. Telepolis weist daher zurecht darauf hin, dass Staub oder Agrarwirtschaft zu erheblichen Gefahrenquellen in kontaminierten Gebieten werden – selbst wenn die gemessene Ortsdosisleistung unter 2 Mikrosievert pro Stunde liegt.

Es ist schon erstaunlich, dass ausgerechnet die totalitäre Sowjetunion eine Messmethode einsetzte, die der Gefahrenlage besser entsprach, als das jetzige japanische Vorgehen.

Und jetzt noch kurz ein kleiner unsortierter Überblick über die aktuelle Berichterstattung:

The Mainichi Daily News / Telepolis / Süddeutsche / Greenpeace / BBC World / Planet Ark / taz / Spiegel Online / Fairewinds

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s